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Coronavirus beflügelt antisemitische Verschwörungstheorien

Antisemitische Übergriffe sind in der Schweiz nicht häufig. Die Covid-19-Pandemie lässt aber antisemitische Verschwörungstheorien im Internet ins Kraut schiessen. Besonders Corona-skeptische Kreise verbreiten sie. Zudem instrumentalisieren sie die Schoah für ihre Zwecke.

23.02.2021 / 05:00 / von: sda/asl
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Die antisemitischen Verschwörungstheorien nahmen weiter zu und hatten in knapp der Hälfte der Fälle einen Zusammenhang mit der Pandemie. (Symbolbild: Keystone/DPA/Federico Gambarini)

Die antisemitischen Verschwörungstheorien nahmen weiter zu und hatten in knapp der Hälfte der Fälle einen Zusammenhang mit der Pandemie. (Symbolbild: Keystone/DPA/Federico Gambarini)

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Das schreiben der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) in ihrem Antisemitismusbericht 2020. Ausserhalb des Internet gab es in der Deutschschweiz 47 antisemitische Vorfälle.

Darunter waren elf Beschimpfungen, 15 Schmierereien und eine Sachbeschädigung. Die Vorfälle blieben damit wie im Vorjahr auf tiefem Niveau ausser einer Zunahme bei den Schmierereien. Tätlichkeiten gab es nicht. Die beiden Organisationen schränken allerdings ein, dass es eine Dunkelziffer geben kann, da die Erhebung auf freiwilligen Meldungen basiert.

Telegram als Spitzenreiter

Dasselbe gilt für das Internet, wo wegen des riesigen Umfangs eine vollständige Datenerhebung nicht möglich ist. Mit 485 Fällen fielen 2020 exakt gleich viele Onlinefälle an wie im Vorjahr. Dabei war eine aber eine signifikante Verschiebung in den Kanälen und bei der Herkunft beobachtet.

Das Coronavirus war ein regelrechter Antisemitismus-Auslöser. Die antisemitischen Verschwörungstheorien nahmen weiter zu und hatten in knapp der Hälfte der Fälle einen Zusammenhang mit der Pandemie. Bei den Kanälen verlagerten sich die Äusserungen gegen Jüdinnen und Juden in den Messengerdienst Telegram. Allein 143 Vorfälle entfielen auf sieben Gruppenchats auf Telegram - knapp ein Drittel der Onlinefälle.

Gepostet wurden Verschwörungstheorien, Aussagen und Bilder antisemitischen Inhalts. Allerdings liess sich aufgrund vieler ablehnender Reaktionen kein mehrheitsfähiges antisemitischen Gedankengut bei den Corona-Rebellen erkennen. Verglichen mit anderen Ländern schienen die verbreiteten Verschwörungstheorien weniger antisemitische Ansätze zu haben.

Dennoch zeigen die Äusserungen mit Pandemiebezug gemäss SIG und GRA, welch grosse Anziehungskraft das Milieu der Corona-Skeptischen für Antisemiten hat. Prävention und Strafverfolgung müssten hier verbessert werden. Und die Plattformen müssten sich ihrer Verantwortung stellen, verlangen die Organisationen.

Impfgegner mit Judensternen

Als hochproblematisch schätzen SIG und GRA die Vereinnahmung der Schoah durch die Corona-Skeptiker-Szene ein. So zeigte diese an Demonstrationen und im Internet mehrfach gelbe Judensterne mit der Aufschrift «ungeimpft» oder «Maskenattest».

Das ist gemäss der internationalen Antisemitismus-Definition zwar nicht als antisemitisch einzustufen. Es führe aber in der Menge, Häufigkeit und Verbreitung zu einer Abschwächung der Wahrnehmung des Völkermords und der Verfolgung der Juden durch die deutschen Nationalsozialisten.

Der SIG und die GRA rufen dazu auf, die Instrumentalisierung der Schoah als alltägliches Mittel der Debatte zu unterlassen und ihr vehement zu widersprechen.

Die Situation in der Westschweiz wird in einem eigenen Bericht erhoben. Demnach liess sich dort eine Abnahme von körperlichen und verbalen Übergriffen und kein Vandalismus an Synagogen feststellen. Im Onlinebereich wurde hingegen eine deutliche Zunahme von Vorfällen erfasst. Dabei nahmen die Verschwörungstheorien ebenfalls zu. In beiden Landesteilen ging die Leugnung des Holocaust zurück.

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